Allgemein, Lesungen

Eleonora Hummel, Melitta Roth und Artur Rosenstern stellten den Sammelband „Und zur Nähe wird die Ferne“ in Herford vor

Herford. Am 15. Juni stellten drei deutsche Autoren aus Russland in der Buchhandlung „AUSLESE“ ihre vor Kurzem im ostbooks Verlag erschienene Anthologie Und zur Nähe wird die Ferne vor.  Es lasen die mehrfach preisgekrönte Autorin Eleonora Hummel aus Dresden (Chamisso-Preis 2006), die aktive Bloggerin und Autorin Melitta L. Roth aus Hamburg und der Autor und Herausgeber Artur Rosenstern. Die Neue Westfälische Zeitung berichtete am 20. Juni im Herforder Lokalteil darüber.

Wahljahr 2017: Es verging wohl kaum eine Woche, ohne dass in einer der überregionalen Zeitungen ein kritischer Artikel zum Thema „Russlanddeutsche“ erschienen wäre. Leider ließ sich dabei oft nicht nur eine ausgewogene, vorurteilsfreie Berichterstattung vermissen, sondern ebenfalls Artikel, die sich halbwegs ausführlich mit der kulturellen Bedeutung der Deutschen aus Russland im Allgemeinen befasst hätten, geschweige denn mit ihrer Literatur. Russlanddeutsche Literaten bleiben in ihrer Mehrheit unparteiisch, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie in ihren Arbeiten keinerlei Bezüge zu relevanten gesellschaftlichen Prozessen herstellen. Sie nehmen vielmehr eine aktive Beobachterrolle ein, um aus dieser heraus möglichst objektiv sowohl auf das aktuelle Geschehen zu reagieren als auch sich auf die Geschichte bzw. die Vergangenheit einzulassen. Der Band „Und zur Näher wird die Ferne“ versammelt überwiegend Literaten russlanddeutscher Abstammung, doch versteht sich traditionell als Forum für alle deutsch schreibenden Autoren.

Programm und biografische Notizen:

Eleonora Hummel las ihren Beitrag „Die Anzeige“

(c) Paul Kuchel

Eleonora Hummel wurde 1970 in Zelinograd, heute Astana, in Kasachstan geboren. 1980 zog die Familie in den Nordkaukasus und siedelte zwei Jahre später nach Dresden über. Ihr viel beachtetes Debüt „Die Fische von Berlin“ sowie ihre weiteren Romane „Die Venus im Fenster“ und „In guten Händen, in einem schönen Land“ sind im Steidl Verlag Göttingen erschienen. Eleonora Hummel hat mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderen den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und den Hohenemser Literaturpreis. Für ihr aktuelles noch in Arbeit befindliches Buchprojekt über das Deutsche Theater in Kasachstan wurden ihr das Spreewald-Literatur-Stipendium 2016/2017, der Schwäbische Literaturpreis 2017 sowie ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen zuerkannt. Sie lebt heute in Dresden. www.eleonora-hummel.de

 

Artur Rosenstern las die Kurzgeschichte „Jenseits der Grenzen“

(c) Fotostudio Flentge

 Artur Rosenstern, 1968 in Kasachstan geboren. Nach dem Studium der Musik-, Medienwissenschaft und der Mittelalterlichen Geschichte in Detmold und Paderborn arbeitete er u. a. für einen Musikverlag im Bereich Musikedition sowie als Russisch-Übersetzer. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, zuletzt in der ETCETERA Nr. 71 (LitGes St. Pölten) und in der KARUSSELL, Nr. 7. Das Buch Planet Germania ist sein erstes belletristisches Werk, es ist 2015 im Verlag M. Fuchs in Hildesheim erschienen (rezensiert u.a. von der Neuen Westfälischen, vom Bayerischen Rundfunk, WDR Funkhaus Europa etc.) Seit 2016 ist Rosenstern Mitglied der „RHEIN!“-Redaktion (Zeitschrift für Worte, Bilder, Klang), im VS -Verband Deutscher Schriftsteller, im Literaturkreis der Deutschen aus Russland und in der Herforder AutorInnen-Gruppe. Er gehörte zu den Preisträgern des Berliner Federleicht-Schreibwettbewerbs 2013 und des Leverkusener Short-Story-Preises 2015. Seine Geschichten landeten oft auf den Shortlists verschiedener Literaturwettbewerbe. Im Jahr 2017 erschien zudem sein Lyrik-Debüt schmerz-wort-tropfen im ostbooks Verlag. Mehr zum Autor auf:  www.artur-rosenstern.de

 

Melitta L. Roth las ihren Beitrag „Eine Geschichte in drei Koffern“

(c) privat

Geboren 1970 in Omsk, entstammt Melitta L. Roth jeweils einer russischen und einer deutschstämmigen Familie. 1980 darf sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester in die BRD übersiedeln und ist Jahre, wenn nicht Jahrzehnte so damit beschäftigt, sich nahtlos zu integrieren, dass sie ihre Vergangenheit und ihre Herkunft einfach ausblendet. Sie studiert Visuelle Kommunikation, sattelt später auf Journalismus um und gründet eine Familie. Doch irgendwann lässt sich die Vergangenheit nicht mehr verdrängen. Auch das kreative Schreiben, drängt sich mit der Zeit mehr und mehr in den Vordergrund. Seit einiger Zeit verbindet sie beides, das Wühlen in der Vergangenheit und das Schreiben in einem Blog, der „Scherben sammeln“ heißt.

Seit 2016 Mitglied im Literaturkreis der Deutschen aus Russland

Seit 2015 Mitglied des writers‘ room Hamburg.

Seit 2014 Bloggerin von  www.scherbensammeln.wordpress.com

 

Aus der Rezension des Buches im „Volk auf dem Weg“, Nr. 4/2018 (Nina Schein)

„ …jeder Beitrag wird dem Motto „Und zur Nähe wird die Ferne“ in unterschiedlicher Art und Weise gerecht. Denn gerade die russlanddeutschen Autoren, die die Erfahrung der Entwurzelung, des Fremdseins in der Heimat und der Identitätssuche in der Fremde aus der eigenen Biografie oder den Erzählungen der Eltern und Großeltern kennen, dürften den Gedanken von Theodor Fontane „Und zur Fremde wird die Heimat, / Und zur Nähe wird die Ferne“, der dem Almanach den Titel gibt, in besonderem Maße verinnerlicht haben. So gesehen ist der Almanach auch eine Lektüre, die gleichzeitig einen tieferen Einblick in die Seele eines Russlanddeutschen (DORT wie HIER) gewährt und begreiflich macht, was es mit dem Titel „Und zur Nähe wird die Ferne“ auf sich hat – auch wenn unter die Autoren mit russlanddeutschen Wurzeln der eine oder der andere Einheimische sehr zum Vorteil der Publikation gemischt hat…“