Lyrik

5. November 2016 um 23:50 Uhr

töne von gestern hören

                                         meinen „gefallenen“ freunden

töne von gestern hören während ihr nicht mehr
atmet und sich dabei glücklich fühlen

schuld?

dem lächeln junger leuchtender augen zusehen und
wissen dass ich euch nie mehr berühren kann

sünde?

in meinem ersten leben war ich euer freund
und bin gegangen ohne euch lebewohl zu sagen

reue?

vielleicht

ich wollte in der fremde heimisch werden
habe schmerzgeschwängerte luft eingeatmet
sie sind wie wir damals – wisst ihr noch?
auf der suche nach action und adrenalin

ich lasse mich von ihren blicken treffen während
eure letzten worte irgendwo im all herumirren
allesamt fremde gesichter hier ab und an erkenn ich
eure hoffnungsvollen augen darin
ich hebe zaghaft die hand und möchte sie
berühren doch antworten mir fremde stimmen

ich will euch wieder treu sein ab heute
werde euch fortan suchen nach und nach
ziehe ich die blutkruste von der wahrheit ab
bis ich eurer verloschener stimmen fündig werde

 

falsche zeit – falscher ort

für M.

ich gehe den weg zurück auf der
suche nach unserer zukunft von gestern
ich will die schienen neu legen
die züge umleiten …
der geruch des weißgetünchten hauses
von damals wacht wieder auf
der anblick meines kindergesichts
lähmt mir die zunge meine augen
gleiten zu boden trotz des gleichen
nenners finden wir keine gemeinsame
sprache – ich trag gänzlich allein die
schuld für die zerbrochenen träume die
schatten meiner kindheit fließen entlang der
weißen wand in der weinenden frau im hof
erkenne ich meine mutter – sind das reuetränen …
ich berühr ihre hand und will sie trösten
sie wusste um die brüchigkeit meiner träume
ich greif nach dem pinsel in ihrer hand
streiche das hofpflaster weiß und fordere sie auf
zum tanz – auch ihre züge waren zu falscher
zeit vom falschen ort abgefahren

 

(aus: RHEIN! Nr. 12 – Zeitschrift für Worte, Bilder, Klang)

 

 

 

Kategorie | Kommentare deaktiviert für Lyrik